
Künstliche Intelligenz ist im Studienalltag kein Sonderfall mehr, sondern Werkzeug wie Taschenrechner und Literaturdatenbank. Das CHE Centrum für Hochschulentwicklung hat im Wintersemester 2025/26 28.584 Studierende an 202 Hochschulen befragt – und die Zahlen sind eindeutig: 81 Prozent nutzen KI regelmäßig, fast die Hälfte sogar täglich. Deutlich weniger eindeutig fällt aus, wie gut sich die Studierenden dabei von ihrer Hochschule begleitet fühlen.
Wir haben die Ergebnisse für Sie eingeordnet – und zeigen, was daraus für die Studienwahl, für das Lernen im Studium und für den späteren Berufseinstieg nach dem Studium folgt.
KI ist im Studienalltag angekommen
Die Verteilung der Nutzungshäufigkeit lässt wenig Interpretationsspielraum:
- 46,5 Prozent der Studierenden nutzen KI täglich
- 34,5 Prozent nutzen sie wöchentlich
- 9,9 Prozent greifen monatlich darauf zurück
- nur 2,4 Prozent nutzen KI nach eigenen Angaben nie
Befragt wurden Studierende in grundständigen Studiengängen ab dem dritten Fachsemester – also Menschen, die den Hochschulbetrieb kennen und beurteilen können, was sich in den letzten Semestern verändert hat. Die Daten stammen aus Zusatzfragen zum CHE Hochschulranking, das auch die Grundlage für unsere Auswertung der besten Hochschulen 2026 bildet. Wer sich daran erinnert, mit welcher Skepsis die Digitalisierung der Hochschulen noch vor wenigen Jahren diskutiert wurde, erkennt das Tempo dieser Entwicklung.
Wofür Studierende KI tatsächlich einsetzen
Die häufigsten Einsatzzwecke zeigen: KI ersetzt im Studium nicht das Denken, sondern beschleunigt die Vorstufen davon.
- 68 Prozent nutzen KI für die allgemeine Recherche
- 60 Prozent für Brainstorming und Ideenfindung
- 50 Prozent als Tutor oder Lernpartner
Gerade der dritte Punkt ist bemerkenswert: Jede und jeder Zweite lässt sich Inhalte von einem Sprachmodell erklären. Das verändert die Anforderungen an das wissenschaftliche Arbeiten im Studium ebenso wie an die Selbstorganisation im Studium. Denn ein Werkzeug, das immer eine plausible Antwort liefert, verlangt eine Fähigkeit, die nicht mitgeliefert wird: kritisches Denken.
Zwischen den Fächern liegen Welten
Der Durchschnittswert von 81 Prozent verdeckt erhebliche Unterschiede. In den wirtschaftsnahen Fächern ist KI praktisch Standard, in der Rechtswissenschaft nutzt sie nur gut jede zweite Person regelmäßig.
| Studienfach | regelmäßige Nutzung | KI als Tutor | Bewertung der Angebote |
|---|---|---|---|
| Wirtschaftsinformatik | über 90 % | 71,6 % | 3,7 von 5 |
| Betriebswirtschaftslehre | über 90 % | – | 3,5 von 5 |
| Wirtschaftsingenieurwesen | über 90 % | – | 3,4 von 5 |
| Soziale Arbeit | 69,2 % | 24,4 % | 2,7 von 5 |
| Rechtswissenschaft | 52,5 % | 18,9 % | 2,8 von 5 |
Ähnlich groß sind die Abstände bei einzelnen Anwendungen: Beim Brainstorming reicht die Spanne von 76 Prozent in der Wirtschaftspsychologie über 51,5 Prozent in der Sozialen Arbeit bis zu 28,3 Prozent in der Rechtswissenschaft. Beim Programmieren nutzen 60,7 Prozent der Wirtschaftsinformatik-Studierenden KI, im Wirtschaftsingenieurwesen 30 Prozent und in der Volkswirtschaftslehre 29 Prozent.
Für die Studienorientierung heißt das: Die Frage, wie stark ein Fach von KI durchdrungen ist, gehört inzwischen zu den Merkmalen, die man vor der Entscheidung prüfen sollte – so wie Praxisanteile, Prüfungsformen oder die Aussichten im Gehaltsranking nach Studienfach. Welche Fächer überhaupt zur Auswahl stehen, zeigt unsere Übersicht der beliebtesten Studiengänge in Deutschland.
Die eigentliche Lücke: hohe Nutzung, schwache Begleitung
Die Angebote ihrer Hochschule zum Erwerb von KI-Kompetenzen bewerten die Studierenden im Mittel mit 3,3 von 5 Sternen. 45,8 Prozent vergeben vier oder fünf Sterne – aber 29,7 Prozent nur einen oder zwei. Fast ein Drittel der Befragten hält die Unterstützung also für unzureichend.
Auch hier folgt die Bewertung dem Fach: Wirtschaftsinformatik kommt auf 3,7 Sterne, Soziale Arbeit auf 2,7 und Rechtswissenschaft auf 2,8. Wo KI ohnehin zum Selbstverständnis des Faches gehört, wird sie besser vermittelt; wo sie neu ist, bleiben Studierende weitgehend auf sich gestellt. Das Muster kennen wir aus der Debatte um digitale Bildung und um den Praxisbezug im Studium: Technik ist schneller verfügbar als die Didaktik, die sie sinnvoll einbettet.
Was Studierende von ihren Hochschulen erwarten
Die Erwartungen sind klar formuliert, aber nicht einheitlich:
- 70 Prozent erwarten klare Richtlinien zum ethischen Umgang mit KI und zum Datenschutz
- 58 Prozent wünschen sich mehr Lernangebote zu KI-Kompetenzen
- 52 Prozent möchten, dass KI häufiger in der Lehre eingesetzt wird
- 46 Prozent befürworten den Einsatz von KI bei Prüfungsleistungen
Nur der Wunsch nach verbindlichen Regeln findet über alle Fächer hinweg eine klare Mehrheit – in der Sozialen Arbeit sind es sogar 81,1 Prozent. Bei den Prüfungen dagegen gehen die Meinungen auseinander: Während in den meisten Fächern rund die Hälfte zustimmt, sind es in der Rechtswissenschaft nur 27,1 Prozent. Studierende fordern also keineswegs pauschal „mehr KI“, sondern vor allem Verlässlichkeit darüber, was erlaubt ist und was nicht.
Was das für die Studienwahl bedeutet
Eine gute Studienentscheidung wird durch KI nicht überflüssig – im Gegenteil. Wenn Recherche und Textproduktion leichter werden, verschiebt sich das Gewicht auf die Fragen, die kein Modell für Sie beantwortet: Was interessiert Sie wirklich? Wo liegen Ihre Stärken? Welches Umfeld passt zu Ihnen?
Einen ersten strukturierten Zugang bietet unser kostenloser Studienwahltest, der Interessen und Fachrichtungen zusammenbringt. Wer noch grundsätzlicher überlegt, findet in der Gegenüberstellung Studium oder Ausbildung die entscheidenden Kriterien, und wer sich einen Überblick über alle kostenlosen Verfahren verschaffen möchte, wird in unserer Sammlung der Tests zur Studien- und Berufsorientierung fündig. Einen breiteren Blick auf Trends und Zahlen gibt unsere Analyse zur Studien- und Berufswahl.
KI ersetzt keine Selbsteinschätzung
Ein Sprachmodell kann Studiengänge vergleichen und Argumente sortieren. Was es nicht kann: Ihre Persönlichkeit, Ihre kognitiven Stärken und Ihre Motive messen. Genau das leistet eignungsdiagnostische Arbeit nach der Norm DIN 33430 – wir setzen dafür standardisierte Verfahren ein und ordnen die Ergebnisse im persönlichen Gespräch ein. Wie das methodisch funktioniert, erläutern wir auf der Seite zur wissenschaftlichen Diagnostik in der Studienwahl.
Wie unterschiedlich die Qualität von KI-Auswertungen im Persönlichkeitsbereich ausfällt, haben wir in unserem Beitrag zur KI-basierten Persönlichkeitsanalyse aufgeschlüsselt. Einen ersten Eindruck vom eigenen Profil vermittelt der kostenlose Persönlichkeitstest – als Ergänzung zur professionellen Diagnostik, nicht als Ersatz.
Diese Kompetenzen gewinnen an Wert
Wenn KI Routinen übernimmt, steigt der Wert der Fähigkeiten, die sie nicht abbildet. Die CHE-Zahlen zeigen indirekt, welche das sind: Wer KI als Lernpartner nutzt, muss beurteilen können, ob die Antwort stimmt.
- Kritisches Denken – Quellen prüfen, Plausibilität einschätzen, Fehler erkennen
- Lernbereitschaft – Werkzeuge und Methoden ändern sich schneller als Studienordnungen
- Selbstmanagement – der eigene Arbeitsprozess bleibt Ihre Verantwortung
- Problemlösungskompetenz – Fragen präzise stellen, bevor man sie delegiert
- Kommunikationsfähigkeit – Ergebnisse verständlich vertreten, auch ohne Modell im Rücken
Eine vollständige Übersicht finden Sie in unserem Kompendium zu den Soft Skills. Wo Sie persönlich stehen, können Sie mit dem Future Skills & Digital Readiness Test kostenlos prüfen.
Über das Studium hinaus: KI verändert den Arbeitsmarkt
Die Studierenden von heute treten in einen Arbeitsmarkt ein, der sich parallel verändert. Wie stark, zeigen unsere Auswertungen zu KI und den Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt, zur Nachfrage nach KI-Fachpersonal und zum Einsatz von KI-Software im Personalbereich – Letzteres begegnet Ihnen spätestens in der ersten Bewerbung wieder.
Wie einzelne Berufsbilder betroffen sind, ordnen wir im Themenbereich KI und Beruf ein. Dort finden Sie auch den KI-Risiko-Check für einzelne Tätigkeiten sowie die Übersicht der Berufe mit geringem Automatisierungsrisiko. Den größeren Zusammenhang beschreibt unser Beitrag zu Berufen und Arbeitswelt im Wandel der Digitalisierung; wer bereits mitten im Berufsleben steht, findet Orientierung bei der beruflichen Neuorientierung im KI-Zeitalter.
Für den Übergang vom Hörsaal in den Job führt der direkte Weg über unsere Berufsberatung nach dem Studium oder – wenn beides zusammengehört – über die kombinierte Studien- und Berufsberatung. Wer noch ganz am Anfang steht, verschafft sich mit dem Berufswahltest einen Einstieg.
Wenn im Studium Zweifel bleiben
Nicht jede Unsicherheit lässt sich mit besseren Werkzeugen lösen. Wenn das Fach dauerhaft nicht passt, hilft weder ein Chatbot noch ein weiteres Semester Durchhalten. Unsere Studienberatung bei Studienzweifeln setzt genau hier an, und in unserem Themenbereich Studienabbruch ordnen wir ein, wann ein Wechsel die bessere Entscheidung ist. Wie belastend Studienphasen werden können, zeigen die Zahlen zur psychischen Belastung im Studium. Wer die Entscheidung strukturiert angehen möchte, findet in unserer Studienberatung einen festen Rahmen dafür.
Fazit
- KI ist Normalität: 81 Prozent der Studierenden nutzen sie regelmäßig, 46,5 Prozent täglich.
- Die Fächerunterschiede sind größer als der Durchschnitt vermuten lässt – von über 90 Prozent in den Wirtschaftsfächern bis 52,5 Prozent in der Rechtswissenschaft.
- Die Hochschulen hinken hinterher: 3,3 von 5 Sternen für die Angebote zum KI-Kompetenzerwerb, fast ein Drittel vergibt nur ein oder zwei Sterne.
- Regeln vor Ausbau: 70 Prozent wollen zuerst klare Richtlinien zu Ethik und Datenschutz – das ist der einzige Punkt mit klarer Mehrheit über alle Fächer.
- Für die Studienwahl gilt unverändert: Werkzeuge ersetzen keine Selbsterkenntnis. Interessen, Stärken und Motive bleiben die Grundlage jeder tragfähigen Entscheidung.
Quelle: Nina Horstmann, Marc Hüsch, Andreas Breiter: Künstliche Intelligenz im Studium – die Sicht von Studierenden im Wintersemester 2025/26, CHE Centrum für Hochschulentwicklung, DatenCHECK 9/2026, 22. Juli 2026. Alle Angaben ohne Gewähr.
Hinweis: Das Beitragsbild wurde KI-generiert.


